Remise Babelsberg
Remise Babelsberg 1903 / 2003
Alfred Schmidt / Die grüne Tür der Remise von 1896 in der Karl Marx Str. 18a, Babelsberg / Gemälde / Pastell auf Leinwand / 46 x 66 cm
In der Prof. Dr. Jörg D. Thiede Kunstsammlung 2015-2019
„Remise Babelsberg“
Remisen- und Stallgebäude der ehemaligen Villa Flohr, Karl-Marx-Straße 18a, der früheren Kaiserstraße 18, in Babelsberg, einschließlich der Reste der straßenseitigen Einfriedung wurde im Jahre 2000 in das Verzeichnis des Denkmals der Stadt Potsdam eingetragen.
Begründung der Unterschutzstellung: Im Jahre 1873 gründeten die königlichen Bauräte Hermann Ende (1829-1907) und Wilhelm Böckmann (1832-1902) die Villenkolonie Neubabelsberg. Diese Gründung reiht sich ein in die etwa zeitgleiche Entstehung ähnlicher Anlagen an der südwestlichen Randzone Berlins.
Das ursprüngliche Erscheinungsbild dieser Kolonie war sehr stark durch Wirtschaftsgebäude, Remisen- und Stallanlagen, Gärtner- und Gewächshäuser geprägt. Heute sind nur noch eher wenige dieser Nebengebäude erhalten.
Das Remisen- und Stallgebäude ist zur Lagerung von Wein, Obst und anderen Vorräten teilweise unterkellert, über einem verputzten Sockel als blau gestrichene Fachwerkkonstruktion errichtet und die Gefache sind ockerfarben verputzt. Der rechteckige Grundriss erhält durch einen vorspringenden, zweigeschossigen Gebäudeteil mit einem hohen Giebel einen betonenen Akzent. Der symmetrisch angeordnete Risalit birgt im Erdgeschoss die Remise, darüber zwei Zimmer der Gärtnerwohnung. Der Raum im Spitzboden des Giebels war als Fremdenzimmer konzipiert. Im linken Gebäudeteil befinden sich Waschküche, Räucherkammer und Backofen. Rechterhand des Mittelrisalits waren die Pferde untergebracht, darüber lag der Futterboden. Der Kutschenraum befand sich links vom Pferdestall.
Das Gebäude, erstellt um 1903, hat durch die besondere Erfahrung des verantwortlichen Architekten, Bodo Ebhardt, mit mittelalterlicher Architektur, der Verbindung mit der Entwicklung von Villa und Landhaus und der besonderen Farbgebung sein eigenes und individuelles Gepräge erhalten und wird durch eine dazu korrespondierende Einfriedungsmauer in gelben Ziegeln ergänzt.
Ebhardt pflegte enge Kontakte zum Hause der Hohenzollern und erhielt die Titel Professor, geheimer Hofbaurat und wurde „Architekt des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm II.“ Ebhardt baute in Berlin-Dahlem 1899/1901 das Landhaus für den Verleger Langenscheidt, am Wannsee in der Kolonie Alsen. Dieses Gebäude bildet in der besonderen Farbgebung, sowie der Art der Ausbildung des Fachwerkes ein direktes Vorbild für das Remisen- und Stallgebäude in der Karl-Marx-Straße.
Das Remisen- und Stallgebäude wurde um 1903 für Prof. Eduard Martin, Gynäkologe, errichtet. Seit 1905 wird der Fabrikant Carl Flohr als Eigentümer des Grundstücks Kaiserstraße 18 geführt. Er starb 1927, 77-jährig, in seiner Villa in Neubabelsberg. 1928 erwarb der ungarische Konsul Arpad Plesch den Besitz und wohnte dort bis 1939. Anschließend war nur der Gärtner namens Link als einziger Bewohner registriert. Nach dem Krieg, während der Zeit der Potsdamer Konferenz, diente das Anwesen Mitgliedern der sowjetischen Delegation als Unterkunft. Danach stand das Gebäude Studenten der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften „Walter Ullbricht“ zur Verfügung. Ab Mitte der 80-er Jahre zerfiel das Gebäude und wurde unbewohnbar.
1994 erwarb die Rentaco AG, Berlin, das 4.000m2 große Grundstück. Die unbewohnte Villa und das zerfallende Remisengebäude gaben bis zum Jahre 2000 als Bestandsruinen in einem unberührten Park mit sehr altem Baumbestand lediglich einmal eine Kulisse für den Kinofilm „Der Lauf der Welt“ ab.
Aufgrund der Eintragung des Remisen- und Stallgebäudes als Baudenkmal, war das Grundstück praktisch unverkäuflich. Erst, als der Unternehmer, Prof. Dr. Jörg Thiede, Berlin, sich bereiterklärte, das Denkmal nach den Vorstellungen der unteren Denkmalpflege aufwendig zu sanieren, auf der Grundlage einer Grundstücksteilung mit der Grundstücksbezeichnung Karl-Marx-Straße 18a, konnte auch das Grundstück Nr. 18 verkauft werden.
Am 15. August 2003 wird das Denkmal der Öffentlichkeit mit einer kleinen Kunstausstellung vorgestellt. Die Ausstellung ist ab 16. August an den folgenden Wochenenden Freitag, Samstag und Sonntag von 11.00 - 16.00 Uhr geöffnet, letztmalig am „Tag des Denkmals“, 14. September 2003.
Ab 15. September wird die Remise Sitz und Geschäftsstelle der Jugendbauhütte Brandenburg und Berlin i.G., erst als Außenstelle der Jugendbauhütte Romrod, Hessen.
Berlin, Neubabelsberg, 15.08.2003
Prof. Dr. Jörg Thiede
BILDERSTRECKE
JANUAR 2000
PFERDESTALL
HAUSTEIL DES KUTSCHERS
BAUSTOPP VON MÄRZ 2001 - JUNI 2002
ABRISS DES KUTSCHEN- UND PFERDESTALLS
BEGINN DER REKONSTRUKTION - JULI 2002
Beginn der Arbeiten in den Werkstätten der ehemaligen Orenstein & Koppel Lokomotiv-Fabrik von 1892, angemietet von Prof. Thiede ("Babelsberger Modell")
SEPTEMBER 2002
OKTOBER 2002
RICHTFEST - NOVEMBER 2002
APRIL 2003
DER BAUHERR
Einer, der völlig verrückt ist, aber Baudenkmäler in höchster Qualität wieder rekonstruiert nach dem Motto "Koste es, was es wolle."
JULI 2003
UNSER HANDWERKERTEAM
Berliner Morgenpost - "Schule für Denkmalschützer" - 13.09.2003
EINWEIHUNG - 15. AUGUST 2003
PRESSE - POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN - 16.08.2003
PRESSE - MÄRKISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG - 16.08.2003
PRESSE - BERLINER MORGENPOST - 20.09.2003